Fuji-Liebe: X-T2

19.04.2018   ·   Fotografie , Hardware

Über einen langen Zeitraum stellte ich mir immer wieder die Frage, warum ich eigentlich nicht mehr so viel Fotografiere. Zeitmangel, Stress - das waren zwar Erklärungen, aber nicht der eigentliche Grund, wie mir langsam bewusst wurde. Auch die schwere Canon mit Batteriegriff und Vollformat-Objektiven hat damit zu tun. Die Kamera hat ihr Gewicht - anders als ich - in unserer nun klischeehaft fast siebenjährigen Beziehung nicht verändert, aber: Packe ich sie ein, wenn das Wetter toll und der Weg zur Arbeit nicht so eng getaktet ist? Schmeiße ich sie zu den Kindern ins Gepäck, wenn es mal in den Zoo geht? Die Antwort auf beide Fragen war stets "Nein!". Eine Fototour mit der Spiegelreflex ist eine schöne aber bewusst geplante Sache. Irgendwie haben sich die 6D und ich auseinander gelebt. Um in diesem Sinnbild zu bleiben: Ich habe mich in eine jüngere, schlankere und hübschere Japanerin verliebt. Sorry!

Systemfrage

Ob Nikon, Canon, Pentax - man rutscht in so ein System irgendwie hinein und kommt da so schnell nicht mehr raus. Und ein Systemwechsel ist keine einfache Sache, denn es geht ja nicht nur um den Body und die Akkus. Auch Objektive und somit Filter passen in der Regel nicht mehr und selbst Blitze lassen sich nicht immer übernehmen. Bei Canon bin ich durch meinen Vater gelandet. Ein gemeinsamer Pool an Zubehör hat schließlich seine Vorteile. Hätte er mit Nikon fotografiert, hätte ich es wahrscheinlich auch getan. Ich war also eher Opportunist als Fanboy.

Spiegelfrage

Den leisen mechanischen oder den gleich ganz stummen elektronischen Verschluss finde ich klasse und er macht die Kameras in Verbindung mit den unauffälligeren und weniger einschüchternden Abmessungen zu idealen Begleitern auf der Straße.
Den Trend zu spiegellosen Kameras haben Canon und Nikon aus meiner Sicht zu lange verschlafen. Mittlerweile sind sie zwar auf den Zug aufgesprungen, aber die Micro Four Thirds-Macher Olympus und Panasonic und eben auch Sony und Fujifilm haben erfolgreich Boden gut gemacht. Für den Markt und den Kunden ist das ein Gewinn. Ich glaube nicht, dass die klassischen DSLRs gleich aussterben werden, aber sie werden, wie zuvor die Spiegellosen, die Rolle des Exoten übernehmen.

Der Auslöser

Ist eine Beziehung angeschlagen, bedarf es nur einen kleinen Grund zum endgültigen Bruch. Die X-H1 war schuld! Für mich zu groß und nicht mein Beuteschema, aber die X-T2 erlebte einen Preisrutsch und ich habe zugeschlagen.

Die X-T2 hat für mich den perfekten Formfaktor und stellt einen tollen Kompromiss zwischen Griffigkeit und Portabilität in Sachen Größe und Gewicht dar. Die Einstellräder machen den Zugriff auf die Bild-Paramater und somit meine "Arbeit" damit spürbar anders. Es mag komisch klingen, aber das Drehen am metallenen Blendenring des Objektives macht das Fotografieren für mich wirklich puristischer, ehrlicher als beim Drücken eines Einstellrads. Und dennoch sind haufenweise technische Spielerein an Bord. Das Display ist super - und kippbar!
Zusammen mit der Kamera habe ich das 18-55er Standard-Zoom erworben. Für ein Kit-Objektiv ist das ein sehr schönes Teil. Darüber hinaus möchte ich aber auch Festbrennweiten nutzen. Ich habe da Ideen, aber werde es langsam angehen lassen.

Hinsichtlich der Bildqualität erwarte ich keine Unterschiede. Da können Crop-Schimpfer und Megapixel-Proleten anderer Meinung sein, aber ich drucke keine Plakate, verkaufe die Bilder nicht. Zahlreiche professionelle Portrait- und Hochzeitfotografen nutzen mittlerweile APS-C oder gar MFT - es kann also alles so schlimm nicht sein.

Eine neue Kamera macht keine besseren Bilder, eine andere Marke auch nicht. Das gilt insbesondere, wenn man nicht von einer Lochkamera, sondern einer guten Vollformat-Ausrüstung wechselt. Aber ich verspreche mir frischen Wind in meiner Fotografie, wieder mehr Praxis und Spaß und schlicht eine Reduzierung verpasster Gelegenheiten.

Und die 6D?

Ich habe die Alte nicht nur betrogen, nein, ich bin auch noch polygam! Die Canon habe ich nämlich nicht gleich verscherbelt, sondern in den Schrank gesperrt. Vermutlich muss sie nicht lange leiden und das junge Glück mit ansehen - aber man weiß ja nie.

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